Page 21 - Merkblatt erdnistende Wildbienen
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NEUGESCHAFFENE ERDSTR UKTUREN

          Materialwahl und -bezug



          Gut gewählt ist schon halb gewonnen

          Praxistipps
          Auf der Suche nach dem richtigen Sand-Substrat für Bereiche für Erdnister und
          Steilwand-Bewohner kann eine Sand- oder Kiesgrube in der Region am besten
          weiterhelfen. Dort weiss man oft schnell, welches Material am ehesten geeignet
          oder wo solches zu finden ist.
          Leider wird man jedoch nicht immer fündig, und es lohnt sich, geeignetes Material
          zu suchen.
          Sand kann rein verbaut oder auch mit wenig Erde gemischt werden, wobei der
          Sandanteil sehr hoch und die Erde sehr fein sein sollte.
          Grundsätzlich muss das Material am Schluss, wenn es fertig getrocknet ist, sehr fein   Im Zweifelsfall wenig Material vorab als Test mitnehmen.
          sein, so dass es mit einem Fingernagel abgeschabt werden kann: Die Wildbienen,   Bei den meisten Sandgruben kann man auch Klein-
                                                                               mengen bekommen.
          die hier nisten, graben den Nestgang mit ihrem Oberkiefer sowie den Vorder- und
          Mittelbeinen und schieben mit den Hinterbeinen die Erdmasse weg.
          Am besten sucht man nach sehr feinem Sand, der aber nicht gewaschen wurde,
          also auf natürliche Weise noch etwas Lehm enthält.  Ungeeignet ist deshalb Spiel-
          sand, da er gewaschen wurde.  Ebenso ungeeignet ist der oft angespriesene «Press-
          lehm» (entsteht als Abfallprodukt, wenn Natursand gewaschen wird), da er durch
          den hohen Lehmanteil zu hart wird.

          Möglich ist beispielsweise ungewaschener Natursand etc. in einer sehr feinen
          Körnung. Geeignet sein kann auch «Schlemmsand», «Schluff», «Leitungssand»,
          «Feinsand» etc. Man kann aber nicht auf den Namen allein vertrauen, sondern es
          empfiehlt sich immer ein Materialtest vor Ort.                       Der Bagger in der Sandgrube füllt das gewählte Substrat
                                                                               in die Mulde.
          Geeignetes Material hat oft einen «gelben» statt grauen Farbton. Das Substrat
          sollte nicht zu grobkörnig sein und nicht viele Steine enthalten (diese könnten
          herausgesiebt werden, damit nur der Sand zurückbleibt, was jedoch aufwändig ist).
          Oft werden verschiedene Mischungen empfohlen, z.B. mit Lehmverputz etc. – aber
          wir haben leider selbst keine Beispiele erlebt, die später auch wirklich besiedelt   BITTE BEACHTEN
          wurden. Wir sind deshalb aufgrund unserer Erfahrungen und vieler Versuche über-
          zeugt, dass Natursubstrat ab Wand immer die beste Variante ist.        Substrat sollte niemals aus bestehen-
                                                                                 den Lebensräumen entnommen
          Meist wird das Material durch die Witterung und Luftfeuchtigkeit im Herbst und   werden, sondern nur aus bereits
          Winter noch etwas kompakter, sodass die Chancen für eine Besiedlung im Folge-   abgetragenem Material, dass in be-
          jahr steigen.
                                                                                 stehenden Sandgruben, Deponien
          Kosten                                                                 und Aushuben angeboten wird.
          Der Sand selbst ist meist günstig zu haben (rund 50 CHF/m³). Teuer ist hingegen   Bevorzugen Sie regionales Substrat
          leider der Transport, der schnell mehrere hundert Franken ausmachen kann, je nach   aus nahegelegenen Gruben.
          Distanz zur Grube.  Manchmal ist es günstiger, den Transport selbst zu organisieren.






                                                              Wildbienenfreundliche Landwirtschaft           21
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