Page 19 - Merkblatt erdnistende Wildbienen
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GEFAHREN



          Beeinträchtigungen vermeiden



          Faktoren, welche den Erfolg beeinträchtigen können



          Störungen vermeiden                                 Bewuchs vermeiden
          Je weniger Störungen stattfinden, desto besser können sich die   Späterer Durchwuchs von Pflanzen kann vermieden werden,
          Arten vermehren. Zu vermeiden ist das starke Betreten, Erschüt-  indem die Grasnarbe beim Bau vollständig abgetragen wird.
          tern, starkes Verkehrsaufkommen in unmittelbarer Nähe, Litte-  Später ist spärlicher Bewuchs ideal, da einige Arten gerne im
          ring, Vandalismus etc. Wenn nötig, sollte man den Bereich ein-  Schutz von Grashorten, unter Blättern etc. nisten; das dichte
          zäunen zum Schutz vor Weidetieren, Wanderern, Dachsen etc.
                                                              Überwachsen ist zu vermeiden. Unerwünschte Keimlinge re-
          Erosion vermeiden                                   gelmässig vorsichtig auszupfen oder einmal jährlich im Winter
                                                              wenn nötig die oberste Bewuchsschicht vorsichtig abtragen.
          Den Nistplatz sollte man möglichst gross anlegen und mit    Nicht jäten oder harken, auf keinen Fall  chemische Mittel
          grossen Steinen, Baumstämmen etc. einfassen, damit bei    verwenden −› Pflege
          Regen die Erosion vermieden wird.
                                                              Je dichter die Vegetation, desto unattraktiver für die meisten
          Keine Pestizide und Dünger                          Arten (Schatten, Boden wird immer nährstoffreicher)!
          Der Nistplatz muss geschützt sein vor Pestiziden (Insektizide,   Bodendecker sind dabei besonders zu vermeiden oder
          Herbizide, Fungizide etc.), sowie deren Abdrift. Beeinträchtigter   möglichst zurückzudrängen. Drängen Sie auch problematische
          Pollen kann die Larven schädigen, wenn sie ihn essen.   Pflanzen rechtzeitig zurück: Selbstverständlich die Bekämp-
          Der magere Standort muss erhalten bleiben, deshalb ist    fung invasiver Neophyten, aber auch das in Schach halten
          Beeinträchtigung durch Dünger zu vermeiden.         heimischer Arten, die schnell Überhand nehmen und andere
          Für eine Niststruktur am besten geeignet ist ein möglichst   verdrängen können (Brombeer, Waldrebe, Leimkraut, Besen-
          breiter Pufferstreifen. Besteht dieser aus Ackersaum, Bunt-   ginster etc.), sind wichtig.
          brache, Ackerschonstreifen oder ähnlichem, bietet dieser
          Pufferstreifen gleichzeitig auch ein wertvolles Nahrungs-   Feuchtigkeit und Staunässe meiden
          angebot für die Bewohner (er soll aber nicht direkt auf die    Die Form soll so geplant werden, dass mögliche Übernässung
          Niststruktur absamen).                              und Staunässe verhindert wird. Das Regenwasser muss gut ab-
                                                              fliessen können, und es sollen sich innerhalb der Niststruktur
          Starker Verkehr, Erschütterungen                    keine Mulden bilden, in denen sich Wasser ansammelt, da die
          Alle Wildbienen reagieren empfindlich auf Erschütterungen    Larven in den Brutzellen sonst ertrinken.
          ihres Nestes. Orte, die durch unmittelbaren Schwerverkehr,
          stark befahrene Bahnlinien etc. Vibrationen und Erschütte-  Keine Honigbienen-Völker in näherer Umgebung
          rungen ausgesetzt sind, eignen sich eher nicht. Problematisch   Damit keine Nahrungskonkurrenz ausserhalb der Kulturen
          ist auch die Lage neben der Strasse oder in Verkehrskreiseln.   entsteht, sollte der Standort der Honigbienen-Völker nicht in
          Neben der Gefahr, dass die Bewohner überfahren werden, ist   direkter Nähe zum Nistplatz stehen, sondern möglichst weit
          auch der entstehende Luftdruck für sie meist problematisch   entfernt davon (mindestens 300 m, besser mehr).
          beim Anflug von Blüten oder ihres Nistplatzes. Zudem werden   Um alle besonders wertvollen Nistgebiete (ehemalige Sand-
          Nahrung und Nistplatz beeinträchtigt von Abgasen, Reifen-   gruben, naturnahe Uferzonen in Naturschutzgebieten und/
          abrieb, Streusalz, Littering etc., im schlimmsten Fall von Herbi-   oder Gebiete mit begrenzten Nahrungsressourcen etc.) sollte
          ziden und anderen Pestiziden. Bepflanzte Strassenränder    ein Schutzradius von 2 km gewahrt werden. Dieser dient dem
          bilden jedoch wichtige Nahrungsressourcen als «Tankstellen»   Schutz der bedrohten Wildbienen-Arten vor der unnatürlich
          und Korridore von einem Lebensraum zum nächsten.    hohen Dichte der domestizierten Honigbienenvölker (ihre
                                                              wilde Stammform ist in Europa ausgestorben).
          Verunreinigung verhindern
          Werden Sandhaufen von Hauskatzen verunreinigt, kann die
          Umrandung mit Dornenranken (Brombeer- oder Wildrosen-
          Ranken, Schlehen-Äste etc.) eingefasst werden. Möglich ist auch
          ein 6-eckiges Maschengitter, was jedoch optisch wenig anspre-
          chend ist und auch eine Erstbesiedlung erschweren kann.
          Keine Bodenverdichtung
          Der Nistplatz muss geschont werden vor schweren Maschinen;
          evtl. gut sichtbare Absperrungen anbringen oder durch grosse
          Steine sichern.






                                                              Wildbienenfreundliche Landwirtschaft           19
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